American Life: Professoren

„Schreibt mir E-Mails oder auch gerne eine SMS“, sagte Gil am ersten Tag. Und Iris erklärte: „Ruft mich an, so oft ihr möchtet, aber bitte nicht vor sieben Uhr morgens und nicht nach neun Uhr abends. Ich gehe nämlich immer so früh ins Bett.“

Iris und Gil, ja, wir duzten unsere Professoren. Wir schrieben ihnen SMS, wenn wir Probleme hatten, Protagonisten zu finden, oder wenn die Metro mal wieder Verspätung hatten. Und am Ende des Semesters sagte Iris: „Komisch, manche von euch waren nicht einmal bei mir in der Sprechstunde.“ Ich war eine von diesen Personen, und zwar gar nicht mit Absicht, sondern, weil ich es so kannte. In Deutschland gehe ich in die Sprechstunde, wenn es sich nicht anders vermeiden lässt, manchmal muss man sogar vorher einen Termin vereinbaren.

In den USA hingegen fühlte ich mich nicht wie ein Bittsteller, sondern wie ein Kunde. Die Sprechstunden waren mehrmals die Woche, Emails wurden innerhalb von Stunden, meist jedoch innerhalb eines Tages beantwortet. Am Ende war es natürlich wie mit dem Fitnessstudio, von dem ich immer so begeistert erzählte, dass es ja umsonst sei. Irgendwann sagte jemand: Aber dafür hast du ja vorher auch bezahlt. Und zwar ganz schön viel.

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Romney, Sandy und Bronco Obama

Auch wenn es keiner mehr sehen, lesen oder tweeten kann: Die #USWahl und #Sandy haben 2012 das Netz in den USA dominiert. Eine kleine, völlig willkürliche Auswahl von interessanten, meist witzigen Links oder Tweets:

1) Republikaner-Bashing:

http://whitepeoplemourningromney.tumblr.com/

und:

http://www.DaysWithoutAGOPRapeMention.com/

wer das doof findet, wird hier fündig:

http://dc.eater.com/archives/2012/10/18/where-to-find-wealthy-attractive-republicans-around-washington.php

2) „Wahl nervt“ 

selbst dieses kleine süße Mädchen…

3) Sandy

Es gab Neider

Es gab Schuldige

Und es gab Hoffnung

Der Reporter und das Ich (und Ich)

Weg da, das habe ich immer gedacht, wenn in Reportagen zu oft das Wörtchen „ich“ auftauchte, ich ging die Straße runter, ich bekam einen Kaffee, der Protagonist rief mich an. Außer bei Günter Wallraff natürlich, da war das okay, und bei anderen Selbstversuchen vielleicht, und bei Kolumnen. Aber sonst. Weg mit dem ich, weg mit dem Ego. Noch schlimmer als ich fand ich nur, das ich wegzulassen und stattdessen „der Reporter“ zu sagen. Das ist ja total schizophren.

Seitdem ich in den Vereinigten Staaten wohne, rennt mir das ich, bzw. viel mehr das „I“ und das „me“ ständig durch die Zeilen. Aber es stört nicht mehr. Denn es schafft Transparenz. Der Reporter schreibt nicht ich, um zu zeigen: Schau, wie toll ich bin, er hat mich angerufen. Sondern er dokumentiert. Der amerikanische Reporter lässt den Leser teilhaben an der Recherche, mal mit ich, mal ohne, aber oft ziemlich genau. Ein schönes Beispiel ist ein Feature im Washingtonian Magazin über einen Mann, der seit zwei Jahrzehnten vor der Botschaft des Vatikan demonstriert: „Viganò, who became nuncio to the United States last October, didn’t respond to phone calls, e-mails, faxes, and a certified letter requesting an interview for this story.“

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Welcome to the United States of A.

Weil es irgendwo mal losgehen muss (und wegen des Wortspiels): Das ist der erste Post. Eigentlich gibt es hier nicht viel zu sagen, außer, dass dieses Blog noch eine einzige Baustelle ist. Design, Domain, Inhalte, alles erstmal provisorisch für die nächsten fünf Monate in den Vereinigten Staaten. Bis dahin gibt es ein paar bereits veröffentlichte Texte, aber vor allem Gedanken zu dem Amerikaner im Allgemeinen und Besonderen, aber auch ein paar Ideen zu Print lebt, Print stirbt, ihr wisst schon, die mir hier so über den Weg laufen. Grüße, Ideen, Anregungen, Kritik……