American Life: Professoren

„Schreibt mir E-Mails oder auch gerne eine SMS“, sagte Gil am ersten Tag. Und Iris erklärte: „Ruft mich an, so oft ihr möchtet, aber bitte nicht vor sieben Uhr morgens und nicht nach neun Uhr abends. Ich gehe nämlich immer so früh ins Bett.“

Iris und Gil, ja, wir duzten unsere Professoren. Wir schrieben ihnen SMS, wenn wir Probleme hatten, Protagonisten zu finden, oder wenn die Metro mal wieder Verspätung hatten. Und am Ende des Semesters sagte Iris: „Komisch, manche von euch waren nicht einmal bei mir in der Sprechstunde.“ Ich war eine von diesen Personen, und zwar gar nicht mit Absicht, sondern, weil ich es so kannte. In Deutschland gehe ich in die Sprechstunde, wenn es sich nicht anders vermeiden lässt, manchmal muss man sogar vorher einen Termin vereinbaren.

In den USA hingegen fühlte ich mich nicht wie ein Bittsteller, sondern wie ein Kunde. Die Sprechstunden waren mehrmals die Woche, Emails wurden innerhalb von Stunden, meist jedoch innerhalb eines Tages beantwortet. Am Ende war es natürlich wie mit dem Fitnessstudio, von dem ich immer so begeistert erzählte, dass es ja umsonst sei. Irgendwann sagte jemand: Aber dafür hast du ja vorher auch bezahlt. Und zwar ganz schön viel.

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