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Eine Umwelt-Recherche in China

Die Gründerin einer NGO mag keine Journalisten und fühlt sich wie ein Panda. Und auf einem Bio-Hof gibt es Geigenmusik für die Schweine.

Zehn Tage habe ich Anfang Juli mit der Journalisten-Akademie in Shanghai zum Thema Umwelt recherchiert. Thema: Nahrungsmittelknappheit in der Zukunft (weil die Chinesen immer mehr konsumieren, wenig Land, wenig Wasser haben, und gerade die Mittelklasse mehr Fleisch isst). Bald gibt es dazu ein Magazin, jetzt schonmal die Geschichte einer Recherche, die vielleicht ein bisschen über das chinesische Verständnis von Umweltschutz, aber auch über die Haltung gegenüber Journalismus erzählt.

  • Die Recherchepartner studierten Journalismus an der Fudan-Universität, einer der Elite-Universitäten im Land. Worauf der Dekan besonders stolz zu sein schien: Im Trainingszentrum werden Regierungsbeamte im Umgang mit Social Media ausgebildet.
  • Meine Recherchepartnerin glaubte gar nicht an das Thema. Wenn die Menschen mehr essen, dann könne man ja einfach mehr anbauen.
  • Recherchestation 1: Kleinbauern auf der Insel Chongming nahe Shanghai. Zum Thema Pestizide befragt, erklären sie, dass manchmal ein Auto der Regierung mit Lautsprechern durchs Dorf fährt und erzählt, wie sie richtig anbauen und wann sie Pestizide benutzen sollten. Das fänden sie nützlich, aber eigentlich nur das Ende: Die Wettervorhersage.
  • Station 2: Ein Bio-Bauernhof. Die Decke innen wird von einem geschnitzten Baumstamm gehalten, auf dem Kiesweg steht ein Golf-Cart. Für die Schweine gibt es Geigen-Musik, für den Verbraucher Lebensmittel, die mehr als doppelt so viel kosten wie in der herkömmlichen Landwirtschaft.
  • Station 3: Eine NGO will Bauern aufklären, eine Umweltjournalistin hatte uns gesagt, dort bekämen wir Informationen darüber, dass die Regierung billige Pestizide verteile. Stattdessen beschimpfte die Gründerin der NGO uns. Zu jeder Frage sagte sie, das sollen wir mal googlen. Und Journalisten möge sie nicht, sie fühle sich wie ein Panda, den alle anfassen wollten. Nach einer Frage zur Regierung sagte sie: „What a foolish young view“. Journalisten würden immer nur das negative sehen. Aber sie habe viel von ihrem früheren Professor gelernt. Der habe sie immer gefragt: Wieviel Prozent glaube sie, sei an Lebensmitteln vergiftet. Zwanzig Prozent habe sie geantwortet. Da habe ihr Professor gesagt: Sehen Sie, aber 80 Prozent sind sicher. Und so sehe sie das jetzt auch, bei der Regierung gebe es gute und negative Dinge. Wichtig sei aber, die guten Dinge besser zu machen. (Und am Ende haben wir alle noch ein Smartphone-Gruppenfoto gemacht)
  • Station 4: Hier wird an der Revolution gearbeitet. Aquaponics heißt das Verfahren der Firma Original Life, geführt von einem Amerikaner. Ein geschlossenes Ökosystem von Fischen und Pflanzen, 2030 würden 90 Prozent der Lebensmittel so hergestellt, glaubt Gründer Irving Steel. Von der Regierung gebe es einiges an Geld für Innovationen aus dem Ausland, jeder Doktortitel aus dem Ausland bringe mehr Geld. Ob man denn die Farm jetzt auch mal sehen könnte? Leider nein. Ein Notfall, sagt Assistent Andy. Sie sei gerade nicht vorzeigbar. Wissenschaftliche Forschungen, sagt Steel. Aber der Durchbruch stehe kurz bevor.

Die Rückkehr der Angst

Und dann bleibt die U-Bahn stehen. Einfach so. Im Tunnel. Die Gespräche verstummen, die Blicke zucken nach draußen, ins Schwarze. Das Mädchen aus Boston hatte noch gesagt. „Can we please not take the Metro?“.

In Deutschland halten viele die Amerikaner für hysterisch. Und natürlich ist sie absurd, diese Email vom Präsidenten der American University. Die Patrouillen der Campus-Polizei würden verstärkt. Hysterie. Ja. Vielleicht. Vermutlich. Aber ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht.

Letztes Semester erzählte mir eine Amerikanerin die Geschichte von 9/11. Klar fanden wir das auch schlimm, nie werden wir die Bilder der zwei einstürzenden Türme vergessen. Aber verstehen können wir das nicht, wie das ist, im eigenen Land. In Deutschland hat es nie einen Terroranschlag gegeben.

Die Amerikanerin, damals muss sie so acht Jahre alt gewesen sein, hatte Angst. Noch Tage, Monate, Jahre später. „Ich habe davon geträumt, wie Bomben in Los Angeles einschlagen, nächtelang.“ George W. Bush war ihr Held. Seine Rede am Ground Zero, seine Pläne, die USA vor den Terroristen zu schützen. Da fühlte sie sich sicher.

Auf dem Titel des Indianapolis Star stand heute morgen „It can happen anytime, anyplace.“ Die USA Today titelt „Terror returns.“ Und damit die Angst. Zumindest für einen kurzen Augenblick.

Dann lächeln alle. Natürlich ist sie weitergefahren, die Metro. Stupid thought.

Quellen zu Boston-Marathon

Für alle Journalisten und jeden anderen:

17. April

Die ErmittlungenThe New Yorker (die die forensic scientists arbeiten), The New Yorker (die ein Saudi zum Verdächtigen wurde), Boston Globe (Timing devices), Time Magazine (the FBI agent in charge)

Social-Media-Stream durch Geodaten

16. April

Hashtag: #BostonMarathon (viele Tweets aber auch ohne Hashtag)

Das größte, vor allem sehr lokale Paket gibt es beim Boston Globe. 

Live: Wall Street Journal, New York Times, lokaler Sender in Boston, Huffington Post

Augenzeugenberichte: Reporter des Wall Street Journal, Wall Street JournalNew York Times, New York Times Im Video, Time Magazine, CNN, MSNBC, BuzzfeedWDR (deutsche Läufer), KSTA (Sabrina Mockenhaupt)

 

Falschinformationen zusammengefasst von Rheinzeitung

Terrorismus?

Definitionen: Handbuch Reuters, FBI (2002-2005), National Institute of Justice,

Zusammenfassung der Debatte: Politico, The Atlantic/Zeit Online („Wir dürfen uns nicht terrorisieren lassen)

Die Helfer (und Helden): Boston Globe, Buzzfeed, MSNBC, New York Times

Live Polizeifunk

Obama in voller Länge auf Youtube. 

Karte: Washington Post, New York Times, Boston Globe

Grafik zu Explosionen: Washington Post

Tweets: Für das ZDF in Boston: Christoph Röckerath. Eine nützliche Liste von Zeit Online. New-York-Times-Journalist Nicholas Kristof (gestern auch zufällig in Boston) mit guten Tweets und RTs,

Google-Personenfinder, Rotes Kreuz, Läufer im Ziel

Menschen, die ihr zuhause zur Verfügung stellen. (mehr als eine Millionen)

Social Media: Polizei nutzt Twitter

Trauriges Cartoon vom Boston Globe

Editorials: New York Times, Washington Post, Boston Globe, Huffington Post, Los Angeles Times

Dem älteren Mann auf dem Foto soll es gutgehen. 

Blutspenden in Boston.

Storify zum Journalismus, Tipps von Poynter für Journalisten, Frontales, Tipps zum Tweeden,

Quellen: Twitter, turi2, cnet.com, Homepages der Medien, poynter.com

Suche nach dem verlorenen Glück

Seit 15 Jahren protestiert John Wojnowski jeden Tag gegen die katholische Kirche

Manchmal hat er sich abends in sein Bett gelegt und seine Mundwinkel nach oben gezogen. Vielleicht, so dachte John Wojnowski, würde er dann am nächsten Morgen aufwachen und wieder glücklich sein. So wie auf den Bildern von damals, auf denen der kleine Junge doch immer lächelte. Bis zu diesem Tag, an dem alles dunkel wurde, tot. So beschreibt John Wojnowski das Gefühl, als er mit 15 Jahren das Zimmer des Priesters in Italien verließ. Seine Eltern waren aus Polen ausgewandert, Wojnowski besuchte eine katholische Schule. Der Priester habe ihn gefragt, ob er ihm Nachhilfe in Latein geben solle.

„Er hat mir gesagt, ich solle masturbieren. Ich habe erst gelacht, das war doch eine Sünde. Das wusste ich, das Einzige, weshalb ich immer zur Beichte gegangen bin.“ Und dann habe er den Fehler gemacht, der sein ganzes Leben zerstört habe. „Ich habe zu ihm gesagt, zeig du mir erst mal deinen.“ Doch der Priester habe ihm umständlich erklärt, dass es da nichts mehr zu sehen gebe. An das, was danach geschehen ist, hat John Wojnowski keine Erinnerungen mehr. Bevor er weitererzählt, schwenkt er noch einmal sein Plakat: „Catholics cowards“ (Katholische Feiglinge) steht darauf.

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Gastbeitrag

Der amerikanische Traum – auf den Spuren eines Mythos

von Marc Andruszko

Zwei Jahre zuvor bin ich durch die endlosen Wüsten Arizonas gefahren, habe das Death Valley, Monument Valley, den Grand Canyon und durch die Landschaft galoppierende Wildpferde gesehen; lag im „Garden of the Gods“ im Caesars Palace Las Vegas; fuhr den Highway 1 entlang und bekam nach jeder Kurve eine neue Schicht Gänsehaut; stand mitten auf der Route 66, breitete die Arme aus und meinte, die Freiheit zu spüren für die Amerika so berüchtigt ist, während Kolonnen von Harley Davidsons an mir vorbei knatterten.

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Ultimate Frisbee: Ein Lifestyle wird erwachsen

Für Zeit Online habe ich diese Geschichte mal auf Deutsch und mit neuem Schwerpunkt aufgeschrieben. Ultimate Frisbee ist ein Lifestyle, bekannt als Sport, den jeder im Park spielen kann. Doch in den USA ist es einer der am schnellsten wachsenden Sportarten, nun versuchen zwei Ligen Ultimate professionell und kommerziell zu machen. Was macht das mit dem Sport?