Ich knipse, also bin ich

Aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 11. August

Das Smartphone in die Hand, den Arm ausgestreckt und abgedrückt: Die halbe Welt knipst sich heute selbst und stellt die Fotos online. Was sagen diese „Selfies“ über uns?

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Inside an American newsroom

Mehr als 20 Regional-und Lokalzeitungen, ein Verlag, ein Hauptstadtbüro. In Washington DC habe ich vier Monate lang die halbe Woche bei McClatchy DC hospitiert, nach der Washington Post und der New York Times eines der größten Büros mit 40 Reportern und Editors. Viele haben mich gefragt, wie das so war, amerikanischer Journalismus, Arbeiten in einem Redaktionsbüro.

Es funktioniert! Natürlich sind Redaktionsgemeinschaften oft die Folge eines Sparkurses. Was das bedeutet, darum soll es hier aber nicht gehen, sondern wie ein Büro das Beste draus macht. Die McClatchy Newspapers waren damals mit die einzigen, die kritisch über den Irak-Krieg berichtet haben und wurden auch dieses Jahr mit ihrer Syrien-Berichterstattung für den Pulitzer-Preis gehandelt. Aber auch die Inlandsberichterstattung funktioniert:

  • Der Fokus liegt auf exklusiven Geschichten. Agenturen werden eigentlich nur für den Tagesplan verwendet. Am meisten hat mich erstaunt, wie wenig Artikel pro Tag entstehen. Ich würde schätzen, dass jeder Reporter im Durchschnitt zwei Geschichten pro Woche produziert. Die erste Rechercheaufgabe nach jedem Themenvorschlag war deshalb für Praktikanten: Das Internet leersuchen, ob nicht doch schon jemand anders die Geschichte oder eine ähnliche gemacht hat. Weiterlesen

Lieber Barack Obama

um Dir ein wenig Arbeit zu ersparen, habe ich meine Emails der letzten zwei Wochen vorsortiert. Hier diejenigen, die dich interessieren könnten.

  • 8. Juni, 12.47. „Falls Sie an Millionengewinnen interessiert sind, konnen wir Ihnen ganz sicher weiterhelfen! Im Ruby Palace erwarten Sie uber 450 verschiedene, erstklassige Casinospiele und wir geben Ihnen einen 200% Willkommens-Bonus, um sie alle auszuprobieren.“ (Lösung für Sequester???)
  • 6. Juni, 16:06. Spring-Deals bei Expedia. Urlaub!
  • 5. Juni, 15:42.  Papa sagt, Haarglätter sind nicht gut für die Haare. (Bitte weiterleiten an Michelle)
  • 5. Juni, 12.44. „Vielen Dank für Ihren Fahrkartenkauf.“ Ich sag’s lieber gleich: Hole mein Visum für Shanghai ab.
  • 5. Juni, 11.40: „Xing. Einladung zum Workshop: Inkarnationen verstehen und erleben.“ (weiß nicht, ob man sich noch anmelden kann, ist schon am 15. Juni)
  • 29. Mai, 15.33: „Federmäppchen verloren“. Hat jemand „irgendwo vergessen“. Würde der Sache nachgehen.

Quellen zu Boston-Marathon

Für alle Journalisten und jeden anderen:

17. April

Die ErmittlungenThe New Yorker (die die forensic scientists arbeiten), The New Yorker (die ein Saudi zum Verdächtigen wurde), Boston Globe (Timing devices), Time Magazine (the FBI agent in charge)

Social-Media-Stream durch Geodaten

16. April

Hashtag: #BostonMarathon (viele Tweets aber auch ohne Hashtag)

Das größte, vor allem sehr lokale Paket gibt es beim Boston Globe. 

Live: Wall Street Journal, New York Times, lokaler Sender in Boston, Huffington Post

Augenzeugenberichte: Reporter des Wall Street Journal, Wall Street JournalNew York Times, New York Times Im Video, Time Magazine, CNN, MSNBC, BuzzfeedWDR (deutsche Läufer), KSTA (Sabrina Mockenhaupt)

 

Falschinformationen zusammengefasst von Rheinzeitung

Terrorismus?

Definitionen: Handbuch Reuters, FBI (2002-2005), National Institute of Justice,

Zusammenfassung der Debatte: Politico, The Atlantic/Zeit Online („Wir dürfen uns nicht terrorisieren lassen)

Die Helfer (und Helden): Boston Globe, Buzzfeed, MSNBC, New York Times

Live Polizeifunk

Obama in voller Länge auf Youtube. 

Karte: Washington Post, New York Times, Boston Globe

Grafik zu Explosionen: Washington Post

Tweets: Für das ZDF in Boston: Christoph Röckerath. Eine nützliche Liste von Zeit Online. New-York-Times-Journalist Nicholas Kristof (gestern auch zufällig in Boston) mit guten Tweets und RTs,

Google-Personenfinder, Rotes Kreuz, Läufer im Ziel

Menschen, die ihr zuhause zur Verfügung stellen. (mehr als eine Millionen)

Social Media: Polizei nutzt Twitter

Trauriges Cartoon vom Boston Globe

Editorials: New York Times, Washington Post, Boston Globe, Huffington Post, Los Angeles Times

Dem älteren Mann auf dem Foto soll es gutgehen. 

Blutspenden in Boston.

Storify zum Journalismus, Tipps von Poynter für Journalisten, Frontales, Tipps zum Tweeden,

Quellen: Twitter, turi2, cnet.com, Homepages der Medien, poynter.com

SchuelerVZ geht offline. Ein Nachruf.

SchuelerVZ geht offline. Das ist schon fast keine Nachricht mehr. Dabei sind wir damit aufgewachsen. Ein Nachruf.

SchuelerVZ, das war doch damals, als…

…“in einer Beziehung“ noch vergeben hieß.

…wir unsere Ironie nicht in Statusmeldungen sondern Gruppennamen wie „Werden Hummeln von anderen Insekten gemobbt, weil sie fett sind?“ verkauften.

…“lesen“ eine Statusnachricht war (keine Ironie).

…jeder sich fragte, wer eigentlich die blaue Seite mit den weißen Buchstaben braucht (zwei Social Networks werden sich eh nicht durchsetzen)

…wir nicht liken konnte, dass jemanden gefällt, dass jemand jemand anderem auf die Pinnwand schreibt. wir haben es nichtmal sofort gesehen.

…so mancher Flirt mit einem sichtbaren Besuch auf Profilen begann

…und alle anderen Besucher (vor allem die ohne Freunde und Profilbild) und sichtbar auf dem Profil waren, aus dem Lehrerkollegium kamen.

…jeder mit mehr als 100 Freunden als Nerd galt

…und jeder, der sein Profil auf „privat“ hatte als hysterisch.

Best of American Journalism (1)

Nach acht Monaten in den USA ein Fazit zum amerikanischen Journalismus, mit hauptsächlich positiven Fakten, Beispiel, Anregungen. Willkürlich und subjektiv. Einige Dinge kennt bestimmt schon jeder oder gibt es auch in Deutschland. Deshalb alles kurz und knackig zum Überspringen, aber mit Links zum Weiterlesen. Teil 1:

1) Die New York Times korrigiert sich fast jeden Tag auf einer halben Seite bis einer Seite selber. Auch im Netz. Hier noch ein Link dazu, wie das dort und auch bei anderen amerikanischen Zeitungen funktioniert.  

2) Pressesprecher sind nett. Standard-Frage: „When is your deadline?“. Wer auf Mailbox spricht, wird auch zurückgerufen. Das gleiche gilt für Quellen in Organisationen oder an Universitäten. Ich wurde mal am Spring Break vom Strand zurückgerufen, mit der Entschuldigung, dass wegen dem Wind leider die Verbindung etwas schlecht sei.

3) Innovatives Projekt: Ein Journalisten-Paar geht auf einer Westseite allen Morden in Washington DC nach. Homocide Watch wurde oft ausgezeichnet, kämpfte aber auch mit Finanzierungsproblemen. 

4) Die besten Reportagen der Welt gibt es beim New Yorker. Monatelange Recherche, und das schönste: die Meta-Ebene bleibt meist ganz klein, oft wird einfach nur erzählt, das dafür umso aufwendiger. Zum Beispiel zu der Frage, ob Menschen, die Kinderpornographie runterladen, für Taten ins Gefängnis kommen können, die sie noch gar nicht begangen haben, hier online. 

5) Medienjournalismus gibt’s bei Poynter. 

„Medien behandeln Hillary Clinton ohne Respekt“

JulieZeilingerBookHeadshot-1Am Samstag, 9. Februar, ist das Interview mit der 19-jährigen US-Feministin Julie Zeilinger im Magazin des „Kölner Stadt-Anzeiger“ erschienen. Infos zu ihrer Person gibt es auf ihrem Blog. Hier ihre Aussagen in voller Länge:

Frau Zeilinger, in Deutschland gibt es eine Sexismus-Diskussion, nachdem ein deutscher Politiker zu einer Journalistin gesagt haben soll, sie würde auch sehr gut “in ein Dirndl” passen. Wäre so eine Aussage in den USA möglich?
Julie Zeilinger: Hier ist es gängig, dass Politiker unfassbar unangebrachte Dinge über Frauen und ihre Sexualität sagen. Ob das jetzt gegenüber einer Journalistin war, da kann ich mich nicht erinnern, aber im letzten Wahlkampf war es enorm, vor allem durch republikanische Senatoren. Wir nennen das „Slutshame“, wenn versucht wird über die Sexualität einer Frau zu urteilen und ihr sogar die Schuld an sexueller Gewalt zu geben. Todd Akin sagte zur Frage, ob Abtreibungen nach Vergewaltigungen legitim wären: „Wenn es sich um eine rechtmäßige Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper die Möglichkeit das abzustellen.“ Damit sagt er ja auch, es gäbe nicht rechtmäßige Vergewaltigungen, die dann die Schuld der Frau sein sollen.

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